Zeitgemäßes Lernen – Eine Sichtweise

Wenn von zeitgemäßem Lernen die Rede ist, dann geht es vor allem darum, die vorhandenen Möglichkeiten so zu nutzen, wie sie in der heutigen Zeit Sinn machen. Das kann mitunter sehr individuell sein. Viele Lebensbereiche sind heute (manchmal zusätzlich) digitalisiert – wie wir damit umgehen, ist jedoch recht unterschiedlich und hängt von den jeweiligen Fähigkeiten des Einzelnen oder auch der zur Verfügung stehenden technischen Ressourcen in der jeweiligen Situation ab.

Medienvermischung – oder: Wieso eine scharfe Trennung überhaupt keinen Sinn macht

Noch vor einigen Jahrzehnten standen uns deutlich weniger Medien zur Verfügung. Es gab den Fernseher mit seinen, in der Regel, vier Programmen. Es gab das gedruckte Buch oder die Zeitschrift. Musik kam aus dem Radio. Erst Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts etablierte sich nach und nach das Internet und mit ihm die ersten Internetseiten. Sehr schnell entwickelten sich weitere, immer digitalere Möglichkeiten. Unser Handeln war innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne nicht mehr nur auf wenige Medien beschränkt. Immer mehr Optionen standen uns mit immer mehr Medien zur Verfügung. Heute gibt es sowohl analoge als auch digitale Medien. Und wir nutzen beides – mal das eine mehr, mal das andere mehr. Aber: Medien sind Medien und wenn wir Handeln, handeln wir nicht nach der Art des Mediums, sondern danach, was uns in der jeweiligen Situation als sinnvoller erscheint. Sitzen wir eh gerade am PC, schreiben wir eher eine E-Mail als einen handgeschriebenen Brief. Möchten wir zur Ruhe kommen, ist vielleicht das gedruckte Buch das Medium der Wahl. Suchen wir nach einer Information, befragen wir eine Suchmaschine im Internet UND fragen zur Sicherheit vielleicht noch einmal im Bekanntenkreis nach. Die Grenzen sind somit fließend. Nichts hat einen höheren Stellenwert – sondern all diese Optionen sind da und werden je unterschiedlich aber intuitiv genutzt.

Was nun im Alltag so intuitiv funktioniert – wieso sollte es das nicht auch im Bereich der Bildung sein?

All das Vorgenannte kann auch auf den Bildungsbereich übertragen werden. Bücher nutzen, weil es immer schon so war? Auch hier muss nach Sinn und individueller Situation gefragt werden. Ein dickes Wörterbuch z. B. wird in den meisten Jugendzimmern eher einstauben. Aber ein spannendes gedrucktes Buch – warum nicht? Und wer mag und die Ressource e-Book-Reader zur Verfügung hat, kann dieses Buch auf Wunsch auch darüber lesen.

Die Grenzen schwinden. Für Kinder und Jugendliche gibt es sie von vornherein nicht. Sie wachsen hinein in diese Analog/Digital-vermischte Welt. Einen Unterschied zu machen zwischen der Art des Mediums macht einfach keinen Sinn mehr – weil es in der heutigen Zeit keinen wirklichen Unterschied mehr gibt.

Der Zeitfaktor in der Unterrichtsvorbereitung

Ich halte diesen für einen Mythos und ich weiß ich gehe mit dieser Aussage vielleicht sehr hart vor. Dennoch weiß ich aus eigenen Lernsettings, dass es mehr Sinn macht, den Blick zunächst auf die Inhalte zu legen und sich erst im zweiten Schritt das richtige Lernmedium zu überlegen – manchmal sogar intuitiv in der Lehrsituation selbst. Das ist durchaus möglich, sofern sich Lehrende für alle heute zur Verfügung stehenden Optionen öffnen und die Lebensrealität ihrer Lernenden gut einschätzen können. Und sind die technischen Möglichkeiten nicht gegeben, so sind sie es vielleicht zu Hause. So könnte eine mögliche Hausaufgabe lauten: „Befasst Euch mit Thema xy und präsentiert Eure Ergebnisse dem Plenum. Wie Ihr diese Aufgabe löst, dürft Ihr selbst entscheiden.“ In einer solch offenen Aufgabe kommen sicher viele Perspektiven über ganz unterschiedliche Medien zustande UND sie würde zugleich die Medienkompetenz fördern.

Vermischen von analogem und digitalen Lernen macht unendlich viel Spaß

… nicht nur den Lernenden, sondern auch den Lehrenden. So wie beides den Alltag bereichert hat, bereichert es auch das Lernen und sorgt für Vielfalt in vielerlei Hinsicht. Differenzierung lässt sich leichter umsetzen. Motivation für selbstbestimmtes Lernen kann aufrechterhalten und gefördert werden. Und das sind nur einige wenige Beispiele, die uns ein Leben und Lernen in der Kultur der Digitalität ermöglicht.

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