Plötzlich wird es Zeit, die Digitalisierung auch im Bildungsbereich ernst zu nehmen

Schwierige Zeiten sind eine Herausforderung und die aktuelle Herausforderung, die sogenannte Corona-Krise, fordert vor allem dem Bildungsbereich viel ab.

Plötzlich ist der geliebte Präsenzunterricht nicht mehr möglich. Wer jetzt eh schon, zumindest zum Teil, digital unterwegs war, kann auch jetzt darauf aufbauen. Die meisten Bildungsbereiche haben sich jedoch zuvor schwer damit getan, Angebote auch online anzubieten.

Gelder für die Digitalisierung wurden zwar zur Verfügung gestellt, aber wer schreibt die umfangreichen Konzepte, die für einen Abruf notwendig sind, wer schult die Lehrenden und woher soll jetzt auch noch diese zusätzliche Zeit, die benötigt wird, kommen? Schließlich ist da auch noch der Lehrermangel.

Jetzt muss allerdings ganz schnell so einiges digital umgesetzt werden, aber wie?

Viele Bildungseinrichtungen setzen auf die Verlinkung oder den E-Mail-Versand von PDF- oder gar Word-Dateien, die jedoch häufig, um vernünftig damit arbeiten zu können, ausgedruckt werden müssen.

Von der Vorstellung eines virtuellen Klassenzimmers sind solche Lösungen leider weit entfernt.

Zwar sind in vielen Fällen sogar sehr gute Lernmanagementsysteme wie Moodle oder Ilias u. a. in den Bildungseinrichtungen vorhanden – aber wie diese sinnvoll und vor allem so eingesetzt werden können, dass die Lernenden dieses auch aktiv und gern nutzen, ist nicht immer klar. Und so verkommen auch diese Lernmanagementsysteme zu reinen Dateiablagen, obwohl sie eigentlich so viel mehr zu bieten haben.

Die Herausforderung

Auch ich selbst stand durch Corona vor einer Herausforderung. Ich bin aktuell als Coach in einer Qualifizierung für erziehende Berufsrückkehrer/innen tätig. Zwar habe ich während meiner Coachings seit Anbeginn immer mal wieder digitale Angebote mit einfließen lassen.

Jedoch waren die meisten Angebote in Präsenz mit weniger Barrieren umzusetzen und Fernunterricht auch gar nicht vorgesehen. Feste Präsenzzeiten waren von jeher vorgegeben, so dass es in der Regel nicht zum Homeschooling kam.

Jetzt aber hieß es von einem Tag auf den anderen „umdenken“

Zu berücksichtigen galt Folgendes: Die Teilnehmenden verfügen in der Regel nicht über einen PC und schon gar nicht über einen Drucker, sondern allenfalls über ein Smartphone. Auch Medienkompetenz in ausreichendem Maße kann nicht bei allen gleich vorausgesetzt werden. Gesucht war also ein möglichst „barrierefreies“ System, über das alle Lerninhalte digital, notfalls nur per Smartphone und dennoch nicht langweilig vermittelt werden können.

Für mich als Medienpädagogin war klar, dass ich auf keinen Fall nur PDF- oder Worddateien bereitstellen wollte. Es ist zwar die bequemste Lösung, aber nicht die effektivste. Der Download ist müßig, das Lesen und Abarbeiten langweilig. Der Lernerfolg deshalb eher gering.

Hier bin ich sicher im Vorteil, da ich mich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung im Bildungsbereich beschäftige.

Meine Lösung: Das Padlet

Die Voraussetzungen an ein solches Lernsystem ohne Einsatz eines Lernmanagementsystems erfüllte meiner Ansicht nach ein Padlet recht gut. Es ist per Link erreichbar. Die Arbeitsaufgaben können übersichtlich dargestellt werden. Videos, interaktive Übungen und Co. können verlinkt werden.

Weiterhin ist das Padlet über alle Endgeräte mit Internetanbindung erreichbar und auch darüber gut lesbar.

Jede neue Woche beginnt nun im Padlet mit der jeweiligen Wochenbezeichnung und Informationen, die in dieser Woche von Bedeutung sind. Dieser erste Beitrag der Woche ist zwecks Übersichtlichkeit farbig gestaltet. Anschließend wird jeder Arbeitsauftrag in einem neuen Beitrag nummeriert und mit einer Anleitung und Aufgabenverlinkung dargestellt.

Was das Padlet ist und wie man es erstellt, habe ich hier bereits erläutert.

Eine Präsentation als Einleitung

Da wir zu Beginn der Corona-Krise auch am Anfang unserer neuen Qualifizierung standen, wurde zunächst eine Präsentation als Infodokument eingebunden, in der wir Coaches uns vorstellen sowie der Ablauf der Qualifizierung erläutert wird. Geplant ist, diese Präsentation in Kürze durch ein FAQ-System in Form eines Glossars zu ersetzen.

Interaktive Elemente über H5P.org

Um den Ablauf noch ein wenig besser zu verdeutlichen wird künftig eine Timeline eingebunden – eine Zeitleiste, in der die Teilnehmenden sehen können, was in welchem Zeitraum ansteht. Diese Timeline wird über die kostenfreie Plattform H5P erstellt und direkt ins Padlet aufgenommen.

Da H5P viele Möglichkeiten des interaktiven Lernens bietet, werden ganz sicher noch weitere Elemente folgen.

Erklärvideos über PowToon

Den Beginn der eigentlichen Coachinginhalte macht ein Erklärvideo, erstellt über PowToon (in der Basisversion ebenfalls kostenfrei) zum Thema „Beruf“.

Lückentexte und Zuordnungsaufgaben schnell erstellt über LearningApps.org

Damit das Lernen nicht ins Leere läuft, wurden interaktive Lückentexte und Zuordnungsaufgaben über LearningApps.org erstellt und verlinkt. Sie dienen der Vertiefung der Lerninhalte z. B. des Erklärvideos. In einem neuen Beitrag im Padlet gibt es eine kurze Anleitung, was zu tun ist und wie die Lernapp funktioniert. Bei Anklicken der Aufgabe im Padlet öffnet sich dann die Aufgabe in einem kleinen Fenster und kann direkt bearbeitet werden.

Zoom.us – nicht nur für Videokonferenzen geeignet

Für ein weiteres Thema hatte ich bereits eine PowerPoint-Präsentation vorbereitet. Da jedoch diese Präsentation so aufgebaut ist, dass viele zusätzliche Erklärungen notwendig sind, hätte es nichts gebracht, diese einfach im Padlet hochzuladen. Deshalb habe ich über Zoom.us ein Meeting erstellt, die Präsentation darin freigegeben und unter meiner Moderation lokal aufgezeichnet.

Das Video habe ich in meinem YouTube-Kanal hochgeladen. YouTube hat den Vorteil, dass die Teilnehmenden dies kennen und in der Regel eh nutzen.

Für den persönlichen Charakter bin ich während der Aufzeichnung in einem kleinen Bild sichtbar geblieben. Das macht das Lernangebot ein wenig persönlicher.

Kostenfreie Tools

Die oben genannten Tools sind in der Basisversion kostenfrei nutzbar. Sie sind in der Erstellung sehr einfach, so dass auch ein Lehrender mit geringer Erfahrung in der Gestaltung solcher Angebote sich schnell zurechtfindet. Weiterhin die abwechslungsreichen Angebote von den Lernenden, schon aufgrund der Interaktivität gern angenommen. Zumeist sind sie fast selbsterklärend.

Eine ausführliche Vorstellung der einzelnen Anwendungen erfolgt mit den nächsten Beiträgen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.